Bericht über das Arzt-Patienten-Seminar am 25.09.2004 in Würzburg
Wissenswertes über Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. med. Wolfgang Scheppach und Prof. Dr. med. Michael Scheurlen veranstalteten die Medizinische Klinik und die Medizinische Poliklinik der Universität Würzburg gemeinsam mit der Deutschen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung e.V. (DCCV) ein Arzt-Patienten-Seminar zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.
Prof. Scheurlen (Med. Poliklinik) und Kristiane Preuss vom Vorstand der DCCV konnten etwa 180 Besucher, darunter auch interessierte Ärzte, im Congress-Centrum Würzburg willkommen heißen. Auf dem Programm standen eine Reihe interessanter Themen zu Diagnostik und Therapie bei CED.

Eine Minikamera von der Größe einer Medikamentenkapsel erlaube erstmals Einblicke in den gesamten Dünnarm, berichtete Prof. Wolfgang Scheppach, Medizinische Universitätsklinik Würzburg. Bislang konnten mit herkömmlichen Endoskopen nur die Schleimhäute von Speiseröhre, Magen, Zwölffingerdarm bzw. des Dickdarms betrachtet werden. Jetzt ist auch der dazwischen liegende drei bis fünf Meter lange Dünndarm endoskopisch einsehbar. Im Hinblick auf chronisch entzündliche Darmerkrankungen bedeute dies, so Prof. Scheppach weiter, dass die Untersuchungsmethode mit der Kapselendoskopie beim Morbus Crohn des Dünndarms in Frage komme, nicht aber bei Befall von Darmabschnitten, die mit konventionellen Endoskopen erreichbar sind (z.B. Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn des Kolons).
Durch radiologische Diagnostik sollte die Ausdehnung der Erkrankung sowie die entzündliche Aktivität vor der Therapie beurteilt werden, erklärte Dr. med. Sandra Pauls, Oberärztin der Abteilung Diagnostische Radiologie am Universitätsklinikum Ulm, in ihrem Referat. Die Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie, MRT) ist ein geeignetes, inzwischen etabliertes und in größeren Kliniken verfügbares Verfahren zur Beurteilung der Erkrankungsausdehnung sowie des Schweregrades der Entzündung bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Dies ist zur stadiengerechten und optimalen Therapieplanung unerlässlich. Zusätzlich können Befunde weiterer Organe erfasst werden. Hervorzuheben ist die fehlende Strahlenexposition dieses Untersuchungsverfahrens.
Die "Operative Therapie von Crohnfisteln" war das Thema des Referates von Priv.-Dozent Dr. med. Marco Sailer, Klinik und Poliklinik für Chirurgie der Universität Würzburg. Viele Patienten, die an Morbus Crohn leiden, werden in ihrem Krankheitsverlauf Fisteln ausbilden. Bei einer Fistel handelt es sich um eine krankhafte Verbindung zwischen zwei Organen. Beim Morbus Crohn nehmen die Fisteln typischerweise ihren Ursprung vom Darm und ziehen von dem betroffenen Darmabschnitt z.B. zur Haut, zur Harnblase, zur Scheide oder zu einem anderen Darmsegment. Die spezifischen Therapieoptionen sind in der Regel chirurgischer Natur, oft begleitet durch eine entsprechende medikamentöse Behandlung. Bei Fisteln, die ihren Ursprung im Dünn- oder Dickdarm haben, wird durch eine Operation das fisteltragende Darmsegment entfernt. Zudem wird die Fistel bis zum Zielorgan verfolgt und komplett entfernt. Schwieriger ist die Situation im Bereich des Rektums oder Anus. Hier reichen die Therapieoptionen von der Einlage einer vorübergehenden oder permanenten Fadendrainage, über "einfache" Fistelspaltungen oder aufwendige plastische Operationen bis hin zur kompletten Entfernung des Mastdarms mit Anlage eines Anus praeter. Letztere Operation ist aber nur sehr selten notwendig.
Prof. Dr. med. Michael Scheurlen, Medizinische Poliklinik der Universität Würzburg, ging ausführlich auf das Thema "Infektionen bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen" ein. Fazit seiner Ausführungen: Bakterielle Erreger spielen eine Rolle in der Entstehung von CED, diese Krankheiten sind aber keine Infektionskrankheiten im eigentlichen Sinne. Eine Störung in der Zusammensetzung der Darmflora löst zumindest einen Teil der Krankheitsschübe aus. Infektionen können zu Komplikationen führen. "Patienten mit CED sind aber insgesamt nicht infektanfälliger als die Durchschnittsbevölkerung", so Prof. Scheurlen. abschließend.
"Der entscheidende Endpunkt der Osteoporose ist die Fraktur. Diese und nicht die Knochendichte per se ist klinisch relevant", war von Prof. Dr. med. Ignaz O. Auer, Medizinische Klinik Juliusspital Würzburg, bei seinen Ausführungen zum Thema "Chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Osteoporose" (Anm.: Osteoporose kann als Nebenerkrankung bei CED auftreten) zu erfahren. Die zentrale Frage, inwieweit in der Tat bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen eine erhöhte Frakturrate vorliegt, ist heute beantwortet. Patienten mit CED haben ein 1,4- 1,6-fach erhöhtes Frakturrisiko. Die betroffenen Patienten gilt es zu erkennen. Erwähnenswert ist, so Prof. Auer, dass nicht wenige der Morbus Crohn-Patienten mit asymptomatischen Wirbelkörpersinterungsfrakturen jünger als 30 Jahre sind. Nichtmedikamentöse Therapiealternativen sind vor allem die Beratung zu modifizierbaren Risikofaktoren wie "knochengesunde" calciumreiche Ernährung, Lebensstiländerung bzw. Nikotinkarenz, Vermeidung schädlicher Alkoholmengen, regelmäßige körperliche Bewegung (vor allem Bewegung gegen die Schwerkraft wie Wandern und Walking) und das Meiden von Sturzrisiken.
Unter dem Titel "Was bleibt (noch) vom sozialen Netz" beschäftigte sich der DCCV-Vorsitzende Ditmar Lümmen ausführlich aber auch kritisch mit den seit 1. Januar 2004 geltenden Neuregelungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung.
Die Referenten standen in den Pausen und am Ende der Veranstaltung für individuelle Fragen von CED-Betroffenen zur Verfügung. Dieses Angebot wurde natürlich gerne angenommen. Auch Mitglieder der Würzburger Selbsthilfegruppe waren gefragte Gesprächspartner am Infostand im Foyer.
Prof. W. Scheppach bedankte sich abschließend für die finanzielle Unterstützung der Veranstaltung durch die Falk Foundation und die Ardeypharm GmbH
Wissenswertes über Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. med. Wolfgang Scheppach und Prof. Dr. med. Michael Scheurlen veranstalteten die Medizinische Klinik und die Medizinische Poliklinik der Universität Würzburg gemeinsam mit der Deutschen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung e.V. (DCCV) ein Arzt-Patienten-Seminar zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.
Prof. Scheurlen (Med. Poliklinik) und Kristiane Preuss vom Vorstand der DCCV konnten etwa 180 Besucher, darunter auch interessierte Ärzte, im Congress-Centrum Würzburg willkommen heißen. Auf dem Programm standen eine Reihe interessanter Themen zu Diagnostik und Therapie bei CED.

Eine Minikamera von der Größe einer Medikamentenkapsel erlaube erstmals Einblicke in den gesamten Dünnarm, berichtete Prof. Wolfgang Scheppach, Medizinische Universitätsklinik Würzburg. Bislang konnten mit herkömmlichen Endoskopen nur die Schleimhäute von Speiseröhre, Magen, Zwölffingerdarm bzw. des Dickdarms betrachtet werden. Jetzt ist auch der dazwischen liegende drei bis fünf Meter lange Dünndarm endoskopisch einsehbar. Im Hinblick auf chronisch entzündliche Darmerkrankungen bedeute dies, so Prof. Scheppach weiter, dass die Untersuchungsmethode mit der Kapselendoskopie beim Morbus Crohn des Dünndarms in Frage komme, nicht aber bei Befall von Darmabschnitten, die mit konventionellen Endoskopen erreichbar sind (z.B. Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn des Kolons).
Durch radiologische Diagnostik sollte die Ausdehnung der Erkrankung sowie die entzündliche Aktivität vor der Therapie beurteilt werden, erklärte Dr. med. Sandra Pauls, Oberärztin der Abteilung Diagnostische Radiologie am Universitätsklinikum Ulm, in ihrem Referat. Die Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie, MRT) ist ein geeignetes, inzwischen etabliertes und in größeren Kliniken verfügbares Verfahren zur Beurteilung der Erkrankungsausdehnung sowie des Schweregrades der Entzündung bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Dies ist zur stadiengerechten und optimalen Therapieplanung unerlässlich. Zusätzlich können Befunde weiterer Organe erfasst werden. Hervorzuheben ist die fehlende Strahlenexposition dieses Untersuchungsverfahrens.
Die "Operative Therapie von Crohnfisteln" war das Thema des Referates von Priv.-Dozent Dr. med. Marco Sailer, Klinik und Poliklinik für Chirurgie der Universität Würzburg. Viele Patienten, die an Morbus Crohn leiden, werden in ihrem Krankheitsverlauf Fisteln ausbilden. Bei einer Fistel handelt es sich um eine krankhafte Verbindung zwischen zwei Organen. Beim Morbus Crohn nehmen die Fisteln typischerweise ihren Ursprung vom Darm und ziehen von dem betroffenen Darmabschnitt z.B. zur Haut, zur Harnblase, zur Scheide oder zu einem anderen Darmsegment. Die spezifischen Therapieoptionen sind in der Regel chirurgischer Natur, oft begleitet durch eine entsprechende medikamentöse Behandlung. Bei Fisteln, die ihren Ursprung im Dünn- oder Dickdarm haben, wird durch eine Operation das fisteltragende Darmsegment entfernt. Zudem wird die Fistel bis zum Zielorgan verfolgt und komplett entfernt. Schwieriger ist die Situation im Bereich des Rektums oder Anus. Hier reichen die Therapieoptionen von der Einlage einer vorübergehenden oder permanenten Fadendrainage, über "einfache" Fistelspaltungen oder aufwendige plastische Operationen bis hin zur kompletten Entfernung des Mastdarms mit Anlage eines Anus praeter. Letztere Operation ist aber nur sehr selten notwendig.
Prof. Dr. med. Michael Scheurlen, Medizinische Poliklinik der Universität Würzburg, ging ausführlich auf das Thema "Infektionen bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen" ein. Fazit seiner Ausführungen: Bakterielle Erreger spielen eine Rolle in der Entstehung von CED, diese Krankheiten sind aber keine Infektionskrankheiten im eigentlichen Sinne. Eine Störung in der Zusammensetzung der Darmflora löst zumindest einen Teil der Krankheitsschübe aus. Infektionen können zu Komplikationen führen. "Patienten mit CED sind aber insgesamt nicht infektanfälliger als die Durchschnittsbevölkerung", so Prof. Scheurlen. abschließend.
"Der entscheidende Endpunkt der Osteoporose ist die Fraktur. Diese und nicht die Knochendichte per se ist klinisch relevant", war von Prof. Dr. med. Ignaz O. Auer, Medizinische Klinik Juliusspital Würzburg, bei seinen Ausführungen zum Thema "Chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Osteoporose" (Anm.: Osteoporose kann als Nebenerkrankung bei CED auftreten) zu erfahren. Die zentrale Frage, inwieweit in der Tat bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen eine erhöhte Frakturrate vorliegt, ist heute beantwortet. Patienten mit CED haben ein 1,4- 1,6-fach erhöhtes Frakturrisiko. Die betroffenen Patienten gilt es zu erkennen. Erwähnenswert ist, so Prof. Auer, dass nicht wenige der Morbus Crohn-Patienten mit asymptomatischen Wirbelkörpersinterungsfrakturen jünger als 30 Jahre sind. Nichtmedikamentöse Therapiealternativen sind vor allem die Beratung zu modifizierbaren Risikofaktoren wie "knochengesunde" calciumreiche Ernährung, Lebensstiländerung bzw. Nikotinkarenz, Vermeidung schädlicher Alkoholmengen, regelmäßige körperliche Bewegung (vor allem Bewegung gegen die Schwerkraft wie Wandern und Walking) und das Meiden von Sturzrisiken.
Unter dem Titel "Was bleibt (noch) vom sozialen Netz" beschäftigte sich der DCCV-Vorsitzende Ditmar Lümmen ausführlich aber auch kritisch mit den seit 1. Januar 2004 geltenden Neuregelungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung.
Die Referenten standen in den Pausen und am Ende der Veranstaltung für individuelle Fragen von CED-Betroffenen zur Verfügung. Dieses Angebot wurde natürlich gerne angenommen. Auch Mitglieder der Würzburger Selbsthilfegruppe waren gefragte Gesprächspartner am Infostand im Foyer.
Prof. W. Scheppach bedankte sich abschließend für die finanzielle Unterstützung der Veranstaltung durch die Falk Foundation und die Ardeypharm GmbH
Karl Loritz